Tagesveranstaltung
Vom Klang der Seele - Johann Sebastian Bach
Die Bedeutung seiner Musik für den Umgang mit Grenzsituationen des Lebens, für Resilienz und mehr Lebendigkeit
Tagesveranstaltung
mit Prof. Dr. phil. Andreas Kruse, Universität Heidelberg
Volkshaus Zürich, Weisser Saal
„Grenzsituationen“, Grundsituationen der Existenz wie jene des Verlusts, des Leidens, des Sterbens und andere „sind durch uns nicht zu verändern, sondern nur zur Klarheit zu bringen (…) Auf Grenzsituationen reagieren wir nicht sinnvoll durch Plan und Berechnung, um sie zu überwinden, sondern durch eine ganz andere Aktivität, das Werden der in uns möglichen Existenz; wir werden wir selbst, indem wir in die Grenzsituationen offenen Auges eintreten“ – schreibt Karl Jaspers (1883 – 1969) in seinem dreibändigen Werk „Philosophie“. Der Begriff der Grenzgänge ist demnach im Sinne des Changierens zwischen Verletzlichkeit und Wachstum zu definieren.
In ihrem Gedicht „Bitte“ formuliert Hilde Domin (1909 – 2006) ahnungsvoll: „Wir werden eigetaucht / und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen, / wir werden durchnäßt / bis auf die Herzhaut. // Der Wunsch nach der Landschaft / diesseits der Tränengrenze / taugt nicht, / der Wunsch, den Blütenfrühling zu halten, / der Wunsch, verschont zu bleiben, / taugt nicht. // Es taugt die Bitte, / daß bei Sonnenaufgang die Taube / den Zweig vom Ölbaum bringe. / daß noch die Blätter der Rose am Boden / eine leuchtende Krone bilden. // Und daß wir aus der Flut, / daß wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen / immer versehrter und immer heiler / stets von neuem / zu uns selbst / entlassen werden.“
Das von Andreas Kruse publizierte Buch ‚Resilienz bis ins hohe Alter – was wir von Johann Sebastian Bach lernen können‘ und sein grosses Buch ‚Die Grenzgänge des Johann Sebastian Bach – Psychologische Einblicke‘ waren bereits Anlass zu Vorträgen, Klavierspiel und Gesprächen. Starken Bitten vieler Teilnehmer*innen nach weiteren ganztägigen Veranstaltungen mit Prof. Dr. Andreas Kruse entsprechen wir gern.
In der Veranstaltung wird zunächst auf Grenzsituationen des menschlichen Lebens in ihrer Bedeutung für das Gesamtverständnis des Menschseins eingegangen; zudem werden die inneren Wandlungsprozesse in der Auseinandersetzung mit Grenzsituationen thematisiert. In einem weiteren Schritt werden wichtige biografische Stationen J. S. Bachs dargestellt. Leitfragen der Veranstaltung sind: Wie ist es dem grossen Komponisten gelungen, trotz zahlreicher Verluste, Rückschläge und Grenzsituationen sein ausserordentlich schöpferisches Potenzial zu entfalten? Was können wir von J. S. Bach für unseren Umgang mit Krisen und Verlusterfahrungen, für unsere Entwicklungsprozesse im Lebenslauf lernen? Wie ist ein Mehr an existenzieller Kraft und Lebendigkeit zu entwickeln?
Im Schlusskapitel seines Buches ‚Die Grenzgänge des Johann Sebastian Bach – Psychologische Einblicke‘ schreibt Andreas Kruse:
„Im Leben Johann Sebastian Bachs finden sich viele Beispiele für Erreichtes und Unerreichtes, für Zeiten des Glücks und des Unglücks, für Freude und Leid, für verwirklichte und enttäuschte Hoffnungen. Bei einer Gesamtschau dieses Lebens wird deutlich, wie sehr es Johann Sebastian Bach gelungen ist, dieses schöpferische Potenzial bis ans Ende des Lebens zu verwirklichen: und dies in seinem Werk ebenso wie in seiner Lebensführung.
So stellen wir die psychologische Coda unter die Überschrift des Menschen in seiner Geschöpflichkeit, damit zum Ausdruck bringend, dass uns das Leben von Gott geschenkt ist, dass dieses Leben ein verletzliches, ein endliches ist, dass wir in der Hoffnung und Erwartung leben, im Tod zu unserem Ursprung zurückzukehren, dass wir Dank empfinden für die schöpferischen Potenziale, die uns geschenkt sind, und dass wir in der Weitergabe der Ergebnisse schöpferischen Handelns an andere Menschen sowohl eine Ausdrucksform dieses Dankes als auch der erlebten Mitverantwortung für die Welt finden.“
Wir laden Sie herzlich ein! Dr. phil. Matthias Mettner
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Zur Veranstaltungsreihe
Vom Klang der Seele – Musik als Quelle von Würde, Kraft, Trost und Hoffnung
Musik kann unseren Gedanken und Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen Ausdruck und Form geben. Musik kann uns mit Glück erfüllen oder trösten, Schmerzen lindern, Erinnerungen wachrufen, psychische Barrieren überwinden und Kommunikation ermöglichen. „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“ – notierte Victor Hugo. In der Tat, es gibt nur wenige Dinge, die einen so grossen Einfluss auf unser emotionales und seelisches Erleben haben wie Musik.
Für die psychische und somatische Gesundheit ist das Hören und Erleben von Musik, das Singen und Musizieren von grösster Bedeutung. Ein bewusstes Erleben von Tönen, Rhythmen, Schwingungen und Resonanzen fördert die Einheit von Denken, Fühlen und Handeln. Weil Musik eine wunderbare Möglichkeit ist, Menschen in Kontakt mit Harmonie zu bringen und Gefühle wie Dankbarkeit und Freude, Vertrauen und Hoffnung erleben zu lassen, ergründen Neurobiologen, Psychologen und Mediziner das Geheimnis der Musik und erschliessen ihre therapeutische Kraft.
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Andreas Kruse
Prof. Dr. phil. Dr. h. c.; Direktor emeritus des Instituts für Gerontologie, Seniorprofessor distinctus der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Studium der Psychologie, Psychopathologie, Philosophie und Musik an den Universitäten Aachen und Bonn sowie an der Hochschule für Musik Köln; Autor und Herausgeber wissenschaftlicher Standardwerke und Sachbücher.
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Anmeldung
Bitte via www.gesundheitundmedizin.ch oder formlos per Mail an info@gesundheitundmedizin.ch
Teilnahmegebühr
für Einzelpersonen, Paare und Gruppen / Person: CHF 150.- *; exklusive Pausenerfrischungen und Mittagessen
und Medizin
Tel. 044 980 32 21 │ info@gesundheitundmedizin.ch │ www.gesundheitundmedizin.ch; Briefpostadresse: Turmgasse 2 / Posthof │ 9320 Arbon